die fotografie als abbild der realität? nicht bei h.schropp. der 30-jährige isnyer sprengt die banalität, wagt sich vor in die randbereiche experimenteller fotografie. seine bildüberlagernde sandwich-technik verfremdet die gängige dreidimensionalität und befreit den blick für eine metamorphische betrachtungsweise. resultat:expressionismus pur! schropp öffnet so neue möglichkeiten zur interpretation des alltäglichen.
"d'linse kommunales kino" märz/april 1991
heinz schropp: isnyer. erste berührung mit der experimentellen photographie durch kunst bei herbert schultz. eigenständige weiterentwicklung mit den inhalten des blues als grundlage(nachdenklichkeit, aber niemals ausweglosigkeit). technik: überlagerung zweier dias(sandwichverfahren) und projektion auf verschiedene untergründe.
"isny aktuell" märz 1990
heinz schropp arbeitet mit der optischen verbindung widersprüchlicher elemente. ein lebendiger baum wird mit einem leblosen rohr verbunden. in ein hübsches mädchengesicht schieben sich stählerne treppen. paloma hat es mit dem papierkorb zu tun. washington verdüstert sich mit dunkler schokolade. isa la belle hat schmutzige flecken im gesicht. in bordeaux geht einiges durcheinander. kurz und gut: verfremdung heißt die methode der darstellung. und sie zwingt den betrachter, die üblichen sehgewohnheiten aufzugeben und seinen standort neu zu überdenken.
"schwäbische zeitung" 26.03.1990
ungewohnte sichten: um originalität ist der 30jährige isnyer fotograf heinz schropp nicht verlegen. bei
der ankündigung seiner ausstellung in der stadtbücherei weist er ausdrücklich darauf hin, daß es sich um keine tierschau handelt sondern eben um eine fotoausstellung.
...besuchen wir die stadtbücherei. sehen wir, was an den wänden hängt, freuen wir uns darauf, daß festgefahrene betrachterstandpunkte ins wanken geraten, eine "fruchtbare verwirrung und der wille zur suche neuer identitäten" übrigbleiben. wir wollen es nicht verhehlen, daß alle sich selbst interpretierenden worte ein wenig zu hoch gegriffen sind. so sensationell neu und verwirrend ist die sache nicht. die ausstellung imponiert durch andere qualitäten.
da ist einmal als erste die hervorragende technische ausführung der bilder, die harmonische komposition der strukturellen elemente. heinz schropp beherrscht die "sandwich-technik", die überlagerung verschiedener bildinhalte, so vollendet, daß sie jeden anschein von künstlichkeit und gewolltheit verliert.
eines stimmt: heinz schropp bringt gegenstände der technischen welt wie beispielsweise ein "gewinde", ein "relais" in eine perspektive der ungewohnten nähe. so also sieht ein ding aus, möchte man sagen. man sieht plötzlich das linienspiel auf einem stück mauer oder einer betonwand. man erlebt das pulsierende und zugleich abschreckende leben von "new york city". paloma hat es mit dem papierkorb zu tun. washington verdüstert sich mit dunkler schokolade.
man hält inne im "moment", atmet "staub" und befindet sich geistig "auf der flucht". man rätselt am bild "ohne titel" und sinnt darüber nach, warum es "yello" heißt und nicht "yellow", was bekanntlich im englischen die farbe gelb bezeichnet.
a propos farbe: heinz schropp zaubert ausgesprochen warme farbtöne hervor, die ganz und gar nichts erschreckendes, provozierendes an sich haben. schon von daher ist es eine ästhetische wohltat, die fotos zu betrachten...
"schwäbische zeitung" 11.01.1991







